Neuer Auftrag für Astrium: DEOS soll Service im Weltall demonstrieren

13 September 2012

  • Astrium bereitet deutsche Robotikmission mit zwei Satelliten vor
  • Neue Technologie für Wartung und De-Orbiting von Satelliten
  • Erprobungs-Satelliten sollen 2018 einsatzbereit sein
Astrium wins DEOS contract to demonstrate in-orbit servicing (c) Astrium Astrium wins DEOS contract to demonstrate in-orbit servicing (c) Astrium

Astrium, Europas führendes Raumfahrtunternehmen, bereitet eine neue Technologie-Mission zur Wartung und Entsorgung von Satelliten vor. Das Raumfahrtmanagement des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) beauftragte heute auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtmesse ILA in Berlin Astrium Friedrichshafen mit der Systemführung für die Definition der „Deutschen Orbitalen Servicing Mission (DEOS)“. Der Auftrag beläuft sich auf ca. 13 Millionen Euro. Die Definitionsphase ist der letzte, entscheidende Schritt, bevor mit dem Bau der Raumfahrzeuge selbst begonnen werden kann.

Mit DEOS sollen zum ersten Mal die Technologien zur kontrollierten Entsorgung eines defekten Satelliten im Weltall demonstriert werden. Zusätzlich wird DEOS Übungen für Wartungsaufgaben zur Verlängerung der Lebensdauer von Satelliten durchführen, insbesondere ein Betankungsexperiment. DEOS besteht aus zwei Satelliten, einem so genannten „Client“ und einem „Servicer“. Der Client stellt den zu wartenden bzw. zu entsorgenden Satelliten dar. Der Servicer führt die Aufgaben am Client durch. Die beiden Satelliten werden gemeinsam auf einer Rakete gestartet und auf eine Umlaufbahn von 550 Kilometern Höhe gebracht. Derzeit ist geplant, dass DEOS im Jahr 2018 startbereit ist.

Die Erprobung der Entsorgung und Wartung anhand eines eigens dafür gestarteten Client und nicht etwa an einem Altsatelliten hat den Vorteil, dass mit dem Client verschiedenste Defekte simulieren werden können. So wird die DEOS-Mission die volle Bandbreite der Wartungs- und Entsorgungsaufgaben bis hin zum Einfangen eines unkontrolliert taumelnden Satelliten demonstrieren. Die Experimente sollen mit ansteigendem Schwierigkeitsgrad durchgeführt werden.

Für die Wartung oder Entsorgung eines Satelliten sind zahlreiche Einzelaufgaben zu meistern: Der Servicer muss den Client anfliegen, ohne dass letzterer ihn dabei durch einen Peilsender oder ähnliches unterstützen kann. Der Servicer muss sich längere Zeit (>1 Orbit) in rund einem Meter Entfernung vom Client aufhalten und dabei seine Position so regeln, dass er nicht mit dem Client zusammenstößt. Über den Orbit hinweg müssen Anflugnavigation und Lagekontrolle auch in Dunkelheit und bei Blendung durch die Sonne zuverlässig funktionieren.

Der Servicer muss den Client greifen und mit dem Servicer fest verbinden, bevor die Wartungsarbeiten beginnen können. Für die Wartungsarbeiten muss der Servicer in der Lage sein, elektrische Verbindungen am Client zu stecken und ein Betankungsventil vakuumdicht zu verbinden. Für diese Vielfalt an Aufgaben ist bei DEOS ein Roboterarm mit sieben Freiheitsgraden vorgesehen.

DEOS erfordert zu einem erheblichen Teil Technologien, die noch nicht Raumfahrt erprobt sind. In der Definitionsphase von DEOS werden daher erste Prototypen der Schlüsseltechnologien entwickelt, damit eine spätere Realisierung des Projekts zügig vorangehen kann. Diese Entwicklungen werden von Astrium selbst und von spezialisierten Firmen und Forschungseinrichtungen im Unterauftrag zu Astrium vorangetrieben.

Astrium führt das Projekt standortübergreifend mit einem gemeinsamen Team in Friedrichshafen und Bremen durch. Unterstützt wird Astrium dabei durch ein Konsortium von Unterauftragnehmern aus der Deutschen Raumfahrtindustrie und Instituten der Raumfahrtforschung.

Der Astrium Standort Friedrichshafen ist seit langem führend in der deutschen Raumfahrtrobotik. Ein besonderes Highlight war das ROTEX-Experiment auf der D-2 Spacelab-Mission im Jahr 1993. Bei ihr wurde zum ersten Mal ein Roboterarm im Weltall vom Boden aus in Echtzeit gesteuert. Der Standort Bremen zeichnet sich besonders durch seinen Erfahrungsschatz im Bereich der Anflugnavigation aus, so stammt beispielsweise von dort der Europäische Weltraumtransporter ATV, mit dem Europa regelmäßig Nachschub zur International Raumstation liefert.

DEOS wird vom Raumfahrt-Management des DLR mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) durchgeführt. Nachhaltige Raumfahrt ist ein wichtiges Ziel der deutschen Raumfahrtstrategie der Bundesregierung vom Herbst 2010. „Unkooperative“ Satelliten im Orbit zu warten und gegebenenfalls zu entsorgen war demzufolge auch ein Schwerpunkt der Nationalen Konferenz zur Raumfahrtrobotik 2012, die vom DLR mit Unterstützung des BMWi gemeinschaftlich im März 2012 in Berlin veranstaltet wurde.

Mit DEOS führt Deutschland die lange und erfolgreiche Tradition fort, innovative deutsche Robotiktechnologien für den Weltraumeinsatz bereitzustellen. DEOS stellt dabei den letzten Technologieschritt dar, um Robotik zur Entsorgung von gefährlichem Weltraumschrott und zur kosteneffizienten Verlängerung der Lebensdauer von bereits im Orbit befindlichen Satelliten einsetzen zu können.
 

Über Astrium

Astrium ist das führende europäische Unternehmen für Weltraumsysteme und -technik und die Nummer drei weltweit. Im Jahr 2011 erreichte Astrium einen Umsatz von knapp 5 Milliarden Euro und beschäftigte weltweit 18.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen hat seine Hauptstandorte in Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Spanien und den Niederlanden.

Als einziges Unternehmen in Europa deckt Astrium die gesamte Palette von zivilen und militärischen Raumfahrtsystemen und Dienstleistungen ab.

Das Kerngeschäft gliedert sich in drei Bereiche: Astrium Space Transportation für Trägerraketen und Weltraum-Infrastrukturen, Astrium Satellites für Satelliten und Bodensegmente sowie Astrium Services für umfassende, stationäre und mobile End-to-End-Lösungen für sichere und kommerzielle Satellitenkommunikation und Netzwerke, Ausrüstungen und Systeme für Hochsicherheits- und kommerzielle Satellitenkommunikation sowie maßgeschneiderte Produkte und Dienstleistungen im Bereich Geo-Information weltweit.

Astrium ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der EADS, ein weltweit führendes Unternehmen der Luft- und Raumfahrt, im Verteidigungsgeschäft und den dazugehörigen Dienstleistungen mit einem Umsatz von 49,1 Mrd.€ im Jahr 2011 und mehr als 133.000 Mitarbeitern. Zu EADS gehören die Divisionen Airbus, Astrium, Cassidian und Eurocopter.
 

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